Donnerstag, 5. Februar 2015

Das Zeichen


Die Flöte fest unter dem Mantel umklammernd trat er zwischen den Bäumen hindurch auf die Wiese, die im Mondlicht blasstürkis schimmerte. Er sah zum Himmel, an dem nur noch eine schmale Sichel zu sehen war und spürte ein Kribbeln im Bauch. Hatte er nicht zu Einbruch der Dunkelheit noch den halbe Mond gesehen?
“Unsinn!”, stieß er hervor, als wollte er sich selbst beruhigen.
Er beschleunigte seinen Schritt, sah mit einem Mal nicht mehr, wo er mit dem Fuß hintrat und stolperte über einen Stein. Sein Blick fuhr nach oben. Die Sichel war gänzlich hinter einem schwarzen Schatten verschwunden. Nur das Leuchten der Sterne spendete noch ein fahles Licht, zu wenig, um dem Gras eine Farbe zu geben. Mit angehaltenem Atem blieb er stehen, wartend bis seine Augen sich an das schwache Licht gewöhnt hatten, ehe er dem Pfad zum Dorf hin folgte. Er wagte es nicht mehr zum Himmel zu sehen, als fürchte er die Schwärze könnte ihn verschlingen.
Die Augen auf die Füße gerichtet bemerkte er das Zeichen erst in dem Moment, in dem seine Hand nach der Klinke griff. Er zuckte zurück, starrte auf das tellergroße Symbol, das genau auf Kopfhöhe auf dem Holz prangte. Sein Blick fuhr die glänzenden Linien nach, deren äußerer Rand sich dunkel abhob und ihn an geronnenes Blut erinnerte.
Sie kommen. Sie kommen, mich zu holen.
Die Flöte glitt ihm aus den Fingern in den freien Fall. Er verlor das Gefühl für die Zeit, fast so, als sei sie von einem Augenblick zum nächsten zum Stillstand gekommen. Er spürte eine Starre, die sich wie eine kalte Hand in seinen Nacken legte.

Freitag, 9. Januar 2015

Rübezahl ausgezählt


Und noch eine Märchenadaption!

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Dienstag, 26. August 2014

Glück


Ausstrecken.
Sich nicht fortducken.

Freitag, 11. April 2014

Was bleibt


Zeit. Sie brauchte Zeit, die sie nicht mehr hatte. Immer wieder ertappte Simone sich dabei wie sie ihren Kopf abtastete, der sich von außen völlig normal anfühlte.
Warum ich? Fragte sie sich, und, warum jetzt?
Morgen würden sie ihr den Schädel aufsägen und nachsehen, ob sie noch zu retten war.
Sie hatte Angst. Angst nach der Operation die Augen zu öffnen, die Blicke der Schwestern und Pfleger zu sehen, das Kopfschütteln, eine Hand auf der Schulter zu spüren und die bedeutungsschweren Worte ins Ohr geraunt zu bekommen:
Es tut uns leid, Frau Tielmann, aber wir können nichts mehr für Sie tun.
Vor einer halben Stunde war die Nachtschwester vorbeigekommen. Wie sie es immer tat, nach der Übergabe. Ob sie vielleicht eine Schlaftablette wollte, hatte sie Simone gefragt. Aber Simone wollte nicht. Sie wollte sich nicht einem künstlichen Schlaf, einer künstlichen Ruhe hingeben. Lieber die ganze Nacht wachliegen, dem Schattenspiel des Baumes an der Zimmerdecke zusehen und sich verrückt machen.